„Face to Face“ – Die Gesichter des Abschieds

Ein Mensch hat viele Gesichter. Wie vielschichtig und tausendfarbig sind dann die Begegnungen zwischen Menschen und erst Recht ihre Abschiede von einander. Gia van den Akker hat zusammen anderen Künstlern eine Performance entwickelt, die mehr als einen Blick auf das Thema Abschied wirft. In der Verschmelzung von Musik, Sprache, Licht und Eurythmie zu einer einzigartigen, zeitgenössischen Performance enthüllt sich die Komplexität vom Scheiden und Loslassen der Menschen.

Im Zentrum der Performance steht das berühmte Werk „Chaconne“ von J.S. Bach, das er komponierte, nachdem er, gerade von einer langen Reise zurückgekehrt, seine Frau zuhause begraben vorfand. In diesem überzeitlichen Kunstwerk spielen alle Gefühle des Abschiednehmens eine Rolle: Schmerz, Verzweiflung, Hoffnung, Sehnsucht, Passion und Liebe zeigen sich. Gia van den Akker sucht nach den toneurythmischen Ausdrücken davon und tastet zärtlich entlang dieses menschlichen Seinszustand. Besonders stark und geheimnissvoll dringt der vielfältige Klang der „Chaconne“ zu den Zuschauern durch die Bearbeitung von Helga Thoene für Violine und Gesang. Ergänzt und durchbrochen wird er von Szenen zu der Dichtung von Dante Alighieri. Die „Rime di Pietra“, die von der unglücklichen Liebe des großen Poeten erzählen und liegen bereits fern seiner Jugenddichtung auf dem Weg zu seinem eigenen Sprachstil aus der „Göttlichen Komödie“. Genau wie Bach´s Musik lebt in Dante´s Sprache eine große Modernität und trotzdem reibt die Stimme der Sängerin, die mit der Violine verschmilzt, an der dunklen Stimme und Sprache des Sprechers. Fast wie ein Schattenspiel wirkt der Kontrast zwischen ihnen. „Face to Face“ will eine Begegnung mit dem Abschiednehmen selbst schaffen und erreicht eben in diesem Licht- und Schattenspiel seine Tiefe. Ein weiteres Element sind leichte Szenen über das Abschiednehmen am Telefon, das einfach nicht gelingen will… Der eurythmische Tanz lebt in dieser Spannung, spiegelt und durchläuft die verschiedenen Phasen. Gia van den Akker durchbricht auch die Mauer zum Publikum und lädt es ein, selbst diesen Moment zu erleben. Sie befragt die Zuschauer auch nach eigenen alttäglichen Erfahrungen des Loslassens, zum Beispiel nach Dingen, von denen man sich nur schwer trennen kann. Die Tänzerin erlebt mit und sucht den Punkt der Umwandlung, Transformation, die Quelle für das Wachstum.

Nach vielen Wandlungen und Brüchen ist es irgendwann einfach geschehen, der Abschied ist zu Ende, man hat losgelassen. Die wunderschön endlos anmutende „Chaconne“ ist ganz plötzlich aus und es breitet sich ein Frieden wie das Gefühl eines Sonnenaufgangs in dem neuen, leeren Raum vor Einem aus.

Ensemble

Gia van den Akker, Eurythmie
Giovanni Succi, Stimme
Yves Ytier, Violine
Friederike Kühl, Gesang
Mees, Endregie
Hélène Schaap, kostuum
Peter Jackson/Moritz Meyer, Technik

Spieldaten

Siehe bei Termine