Projekt Chile

Bericht der Eurythmie Ausbildung Santiago de Chile und des Austauschprojektes Contemporary Dance und Eurythmie, Chile März 2015.

Letzten März bin ich zum zweiten Mal nach Santiago de Chile gegangen um in der Eurythmie Ausbildung zu arbeiten. Dort arbeiten Harlet Trjillo, Camila Gajardo, mit den Mentoren Claudio Bertalot und Renate Nisch und mit Anna de Millas und mir als Kollegium mit den zweiten Ausbildungskurs. Die Gruppe besteht aus 10 Menschen, 8 Frauen und 2 Männer. Sie kommen aus Chile, Brasilien, Bolivien und Spanien. Die Gruppe war nun am Ende Ihren 2. Jahres.
Wir haben thematisch in Laut an den Farben gearbeitet, den Regenbogen mit Formen und Farbgesten aufgebaut. Farbübungen mit Ansatz der Bewegung von innen und von außen angefangen zu differenzieren und ich habe die Seelengesten angelegt.
Wir haben auch den mikrokosmischen Tanz aufgebaut mit den 3 Stufen:
1. Stufe: Vokalen, 2. Stufe: Lippen ,-und Zahnlaute und 3. Stufe: Zungen,-und Gaumenlaute.
An Hand eines Textes von O. Paz haben wir es mit den Apollinischen Formen ausgearbeitet.

In der Toneurythmie stand die Vertiefung der Intervalle zentral und der Umgang mit Tönen und Intervallen und ihren Übergängen. Die Studenten haben selbst kleine Melodien komponiert und zur zweit ihre Melodien gestaltet indem sie sich gegenseitig einstudierten. Da kamen schöne, individuelle ganz unterschiedliche Arbeite zum Vorschein. Für die Studenten waren diese kleine Regie-Fingerübungen sehr wichtig: selber verantwortlich und frei mit einem anderen gestalten zu können. Wir haben vertiefend an die Harmonie gearbeitet und ebenso an den Elementen Takt (mit Taktstrich) Rhythmus, Melos, und die Pause. Das wurde an Hand eines Werkes von L. v Beethoven geübt. In dem Thema und Variationen war es wichtig, dass die Studenten,- die bis jetzt fast alle Werke als ganze Gruppe ausgearbeitet hatten- in den Variationen mit ihren Qualitäten oder/und Schwächen differenziert üben konnten.

lab4 Zwischen dem 17.-27. März fand ein Austauschprojekt zwischen der Universität „Facultad de artes“ in Santiago und der Eurythmie-ausbildung statt. Diese Idee war im Jahr davor geboren und wurde über Skype von mir und Macarena Campbell, Dozentin an der Facultad vorbereitet. Es gab einen Austausch zwischen den Studenten und weitere Veranstaltungen in der Universität. Für den Austausch mit den Studenten war das Ziel in zwei Workshops die für denen noch unbekannte Bewegungsarten anzubieten und die Studenten sich begegnen zu lassen. Ich wurde außerdem von der Uni eingeladen eine Lesung über Eurythmie zu geben, ein offenes Laboratorium für Kunststudenten und Künstler zu leiten und einen Workshop mit Tanzpädagogik-Studenten und eine Präsentation anzubieten.
Es waren insgesamt 6 Veranstaltungen, 5 davon fanden in der Universität statt.
Hier einen kurzen Überblick:

* Der erste Workshop fand am 17. März mit den Eurythmiestudenten und 20 junge, begabte Tanzstudenten statt in dem Unterrichtsraum der Eurythmieausbildung (ein deutsch-evangelischer Kirchenraum)statt.
Macarena gab einen Workshop von anderthalb Stunden, in dem sie eine lange Warmingup-Sequenz mit uns entwickelte. Sie arbeitete eng mit einem Musiker zusammen, der elektronische Musik als Ambiente zu den Übungen improvisierte.
Anschließend gab es eine Kontaktimprovisationsübung mit verschiedenen Aspekten.
In Gruppen von 5, immer mit einer Person in der Mitte wurden verschieden Qualitäten der Interaktion geübt.
In der zweiten Hälfte des Vormittags habe ich einige eurythmische Übungen aufgebaut.
Angefangen mit verschiedenen Arten des Strömens in der inneren und äußeren Bewegung.
Wir haben mit Atem und Sprachbewegung gearbeitet und angefangen die Vokale phänomenologisch zu untersuchen und zu bewegen.

img_4246 * Der zweite Workshop fand am 24. März bei den Tanzstudenten in der Universität statt.
Das Thema war: ”move and be moved”. Bewegen und bewegt werden und WAS ist es was mich bewegt? Die Aufgaben beim Tanz waren wieder ausgehend von physischen Wahrnehmungsübungen und Berührungen einen Übergang zu finden zu Bewegungen aller Körperteile in allen Richtungen. Macarena wollte den Eurythiestudenten mehr Flexibilität im Torso-bereich vermitteln. In meinem Workshop haben wir aus einer Bewegungsimprovisation mit den 4 Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer eine Klang-Lautimprovisation gemacht.
Das geschah in zwei Gruppen: eine hat bewegt und die andere hat aus der Wahrnehmung heraus dazu Klänge gesprochen. Daraus haben wir die Konsonantenbewegungen entwickelt und probiert uns dem Lautwesen anzunähern. Ich habe die Studenten in Gruppen von 5 eingeteilt und einige Sätze aus einem Gedicht von O. Paz choreografieren lassen.
Nach diesen 2 Arbeitseinheiten gab es ein Austauschgespräch. Folgende Frahgen tauchten auf: — was einem bewegt: die Form, die Luft, der Inhalt?
– wie man zu einer Choreografie findet?
– Welche Vorgehensweise es gibt in sowohl der einen als auch der anderen Bewegungsdisziplin.
– Wie man mit der Musik umgeht.
Die Eurythmie-studenten hatten zuerst viel Mühe nicht die Musik zu bewegen. Sie werden geschult Sinnesorgan zu werden für die Musik und Sprache. Unabhängig aus einem Inhalt und mit der eigene Intention zu bewegen während Klänge gespielt werden war eine wertvolle Erfahrung. Die Tanzstudenten waren gut in der Lage synchron und sensibel aus der Musik heraus zu bewegen. Sie werden sehr breit in klassischer Tanz, Moderne, – und Zeitgenössische Tanz geschult und sie haben Unterricht in Feldenkrais, Alexander –Technik. Sie arbeiten in Santiago direkt zusammen mit der Musikabteilung der Uni und bekommen so viel Musikunterricht.
Eine andere Art und Ansatz der Bewegung zu erleben, zu üben, zu teilen und zu sehen, gehört meiner Meinung nach zu Studium. Der Umgang mit dem Körper physisch, energetisch, seelisch ,-geistig geführt gibt konkretes Material für das Verständnis der Bewegungsvielfalt. Jeder der Studenten spürte auch eine Bestätigung warum er diese oder jene Bewegungskunst gewählt hat.

* Am 23. März gab es eine Einführung/Lesung mit Filmmaterial über die Eurythmie. Anschließend entstand ein sehr interessantes Gespräch. Einige Themen die zur Sprache kamen:
– Die Zeit, in der die Eurythmie entstanden ist.
– Was sich in einem Jahrhundert im Tanz und in der Eurythmie verändert hat.
– über den eigenen individuellen Kreationsdrang und/oder das “Dienstbar sein” an der Sprache, an der Musik, am Kostüm(..?)
– Was war die Intention von R. Steiner um diese Kunst zu entwickeln?
– Wie weit reicht die Wirkung der Eurythmie und wie wird sie angewendet in der Pädagogik, in der Therapie und im Sozialen?
– Die Beziehung mit der Natur.

* Am 24. März am Nachmittag war eine Gruppe von 5 Tanzpädagogikstudenten mit ihrem Lehrer. Ich wurde gefragt zu sprechen und praktisch zu arbeiten über:
– den Aufbau der Eurythmie in der Pädagogik und in den verschiedenen Lebensfasen
– den Umgang mit dem Körper und dem Raum
– den Umgang mit der Sprache; wieso und warum Sprache in Bewegung?
Ich habe eine kurze Einleitung in die Menschenkunde gegeben. Danach habe ich aus meiner Arbeit mit den Kindern in Italien berichtet und einige Beispielen mit ihnen gemacht. Anschließend gab es wieder ein reges Gespräch und Austausch.

* Am 24. März abends war das offene LAB. Hier treffen sich Kunststudenten und Künstler, die sich anderthalb Stunden einem Experiment, einer Performance oder einer Arbeitsfrage widmen. Macarena, die verantwortlich ist für das LAB, hat mich gebeten 10 Minuten einzuführen, dann mit allen zu bewegen und am Ende ein Reflexionsgespräch zu leiten.
Es kamen 36 Menschen, die mit Enthusiasmus und vitaler Neugierde teilnahmen.
Ich habe mit Improvisationsübungen von Raumes-formen angefangen und bin dann über Atemübungen (Ballen und Lösen mit Variationen und Gegenbewegungen) zu Lautgesten gekommen. Beim Reflexionsgespräch kamen ähnliche Fragen auf wie oben beschrieben und außerdem noch differenzierter Fragen nach dem Bewusstsein in der Bewegung, nach der Beziehung zur Sprache in den verschiedenen Kulturen und der seelischen Beziehung zum Wort, zur Welt und zum Geistigen. Die spirituelle Dimension wurde sehr konkret wahrgenommen.

Das Austausch Projekt hat in Freundschaft und mit gegenseitigem Respekt statt gefunden.
Es war für alle Beteiligte eine Bereicherung. Es hat gegenseitiges Interesse geweckt und einige Studenten wollen sich wieder treffen und deren Präsentation anschauen.

Erwachen an dem Anderssein und zusammenströmen in dem Erlebnis das man in der Kunst übergeordnet nach Werte, Qualitäten und Ausdruck sucht mit den Menschen zu kommunizieren.

Gia van den Akker
April 2015