Erfahrungen von Teilnehmer

2016

BE PRESENT – Eurythmie in La Fabbrica mit Gia van den Akker

„Sei da, sei präsent“ lautete das Motto der diesjährigen (zehnte) Sommerwoche im Piemont bei Gia van den Akker. Zehn Teilnehmerinnen aus vier Ländern, Laien und „Profis“, übten unter Anleitung ihrer erfahrenen Lehrerin, ganz wach den Augenblick zu erleben.

Der Kurs begann mit Übungen in wechselnder Zweier- und Dreierkonstellation. Man spiegelte sich gegenseitig, wo es im Körper „strömt“ und wo noch Blockaden waren. Diese in Fluss zu bringen, war eine der Aufgaben und führte zu geradezu beseligenden Erlebnissen! So wuchs die Gruppe schnell harmonisch zusammen.

Als übergeordnetes Projekt der Woche setzten die Teilnehmerinnen die dolomitische Sage der „Albolina“ in Laut- und Toneurythmie um. Für die Toneurythmie hatte Gia ein Musikstück von Einaudi ausgewählt, das am Klavier von Lucca Cavallo geduldig immer und immer wieder gespielt wurde. Inspiriert und begeistert entwickelte man gemeinsam die Formen, improvisierte, besprach, reflektierte, änderte gegebenenfalls, bis ein Tanz entstand, der mit Wellenbewegungen, wechselnden Führungen, Gruppen- und Solo-Eurythmie die Impressionen von Undinen, italienisch „Jarines“, ins Bild umsetzte. Bemerkenswert dabei war, dass Laien und Profis gleichberechtigt und frei miteinander arbeiteten; Kritik wurde positiv und nur der Musik geschuldet geäußert. Einige Teilnehmerinnen verwandelten sich zur Lauteurythmie zudem in „Stregas“ – Hexen, die unter der Führung ihrer Oberhexe, der „Strega“ (Gia), mit ‚Geschrei‘ und Hexentanz beschlossen, die Albolina in Stein zu verwandeln.

Zum Ende der Woche füllte sich dann „La Fabbrica“, Gias Eurythmie-Oase im Piemont, mit begleitenden Künstlern: Aus Amsterdam kam die Violinistin Tiziana Pintus und verlieh den Jarines wasserbewegte Flügel. Marco Conti, Schauspieler aus Rom, gestaltete höchst professionell den Text. Die Hauptrolle der Albolina wurde von der Eurythmistin Martje Brandsma aus Leiden dargestellt.

Dann endlich das große Finale: Am Freitag Abend verwandelte sich der kleine Ort Incisa Scapaccino in eine illuminierte Eurythmie-Bühne! Die Einwohner des Dorfes schienen das von vorhergehenden Jahren schon zu kennen, denn zahlreich versammelten sich die Zuschauer auf den Klappstühlen vor der Kirche. Das Programm begann – passend zur gerade untergegangenen Sonne – mit Beethovens „Mondschein-Sonate“, getanzt von Martje. Nach einem Geigensolo von Tiziana und Gias Solo zu der Sonate in g moll von J.S: Bach klappten die Zuschauer ihre Stühle zusammen und gingen durch eine mittelalterliche Gasse zur Burg. Unterwegs wurden sie überrascht von zwei Sagen in italienischer und holländischer Sprache, ebenfalls umgesetzt von den Kursteilnehmerinnen und unterbrochen von einem indonesischen und einem deutschen Volkslied, ebenfalls (zur Gitarre) vorgetragen von zwei Teinehmerinnen.

Die Sage der „Albolina“ wurde dann auf einem kleinen Platz mit Bäumen und Gras vor der mittelalterlichen Burg gezeigt. Mittlerweile war es 22.30 Uhr: Die Dunkelheit wurde erleuchtet von farbigen Scheinwerfern, so dass eine geheimnisvolle, der Sage angemessene Atmosphäre allein schon durch das Licht entstand. Alle in der Woche erübten Beiträge fügten sich harmonisch ineinander: Erzählung, Musik, Ton- und Lauteurythmie, Albolina, Hexen, Jarines, Einaudi … Als großes Finale dann Debussys „Clair de Lune“ – ein Solo von Gia, in dem sie die Steiner-Form mit Elementen der Albolina-Sage durchsetzte. Die Beiträge durchwehte etwas zutiefst Spirituelles, das den ganzen Ort zu verändern schien. Die Zuschauer sparten denn auch nicht mit Beifall!

Der Ausklang vor der Kirche zeigte nur glückliche und zufriedene Gesichter von Zuschauern und Darbietenden. Das Projekt war dank Gias professioneller und respektvoller Art zu einem organischen Ganzen geworden. „Be Present“ – sei wach, sei da, sei anwesend – hatte tatsächlich den Augen-Blick verzaubert.

Petra Mühlenbrock, Berlin

Sommer Woche “Be Present“ in la fabbrica 2016

Emmental – Italien – Emmental

Die Eurythmie-Woche im Piemont bei Gia van den Akker hat eine nachhaltig wohltuende Hülle um mich aufgebaut.

Das Wohnen im schönen Zimmer, die Möglichkeit, selber kochen zu können und jederzeit Schwimmen zu gehen, – dies alles hat für die ideale Ferienstimmung gesorgt.

Das tägliche sechs Stunden lang Eurythmie machen, unter der Anleitung von Gia, zusammen mit einer Gruppe bewegungsbegeisterter Menschen, war wie ein Schwimmen im Lebenselement.

Gia hat uns auf wunderbare Art und Weise durch die Eurythmischen Elemente geführt. Sie hat dies so angeleitet, dass sowohl Eurythmisten wie auch Laien herausgefordert waren.

Auch Martje Brandsma hat mit den Elementen Ballen und Spreizen und runden oder strahligen Formen uns angeregt, selber Fabeln zu gestalten.

Die ganze Arbeit war so intensiv und hervorragend geführt, dass ich gar nicht merkte, dass wir nur zwei ausgebildete Eurythmisten unter den 11 Teilnehmern waren.

Nachhaltig auf mich wirkt vor allem die Freude und Präsenz, mit der ich mit mir selber und mit der Umgebung verbunden war in dieser Woche. Die konkrete Ich-Anwesenheit im eigenen Leib bis hin zur Berührung war die eine Seite, die wir übten. Auf der anderen Seite übten wir die aufeinander abgestimmten Bewegungen in verschiedenen Charakteren.

Nach einer Woche üben konnten wir so mit dem Erarbeiteten innerhalb des Märchens „Albolina“ mitwirken und zugleich wahrnehmen, wie wohltuend Eurythmie wirkt. Besonders eindrücklich war für mich, wie Gia mit ihrem künstlerischen Team und uns als Mitarbeiter eine Aufführung mitten in die Kulisse der Umgebung für die Menschen am Ort hinzauberte. Das hat mich sehr begeistert und ermutigt, an dem Ort, wo ich arbeite, mit den Menschen und Möglichkeiten eurythmisch zu zaubern.

Tausend Dank an Gia und ihr Team!

Rosemarie Baumgartner

Bewegende Woche im Piemont

Mit dem Zug nähere ich mich den im sommerlichen Dunst liegenden Hügeln des Piemont. Voll Vorfreude  erreiche ich bald den kleinen Ort Cortiglione und all diejenigen, die sich wie ich auf die gemeinsame Arbeit mit Gia im Sommerkurs 2016 “ be present“ freuen. Von da an arbeiten wir täglich mehr als fünf Stunden über den Tag verteilt in der wunderschön umgebauten Fabrikhalle „la fabbrica“. Gia führt uns in ihrer unnachahmlichen Art humorvoll und mit tief durchdrungenem Wissen und Können an Elemente der Eurythmie heran, in die wir ganz über das Tun und über innere Bilder  wie von selber eintauchen und ergreifen können. Es trägt und erfüllt uns das Märchen von Albolina, die in ihrer tiefen Traurigkeit und Erschöpfung von einer Zauberin den labenden und stärkenden „Trank“ der Tautropfen und des Lichtes  bekommt. Albolina aber wird gierig über die Kraft und Schönheit , die ihr dadurch zufliesen und entzieht der Erde damit die notwenidgen Lebenskräfte.  Die Hexen werden zornig und tanzen einen kraftvollen Hexentanz. Die elementarischen Wesen des Wassers, die Undinen, oder Jarines, bitten sie inständig, ihnen wieder das lebensnotwenige Element der lichtdurchstrahlten Tautropfen zurückzugeben, damit die Erde weiter bestehen kann. Albulina beginnt aufzuwachen, und die Kräfte und Elemente finden wieder ihr gesundes Gleichgewicht.

Eine Freude war es , den „Hexen“ bei der Entwicklung ihrers Auftrittes zu folgen, oder selbst einmal Hexe zu sein und in dem kraftvollen Rhythmus des Energietanzes zu münden. Die Jarines dagegen, die sich  den Klängen “ Les Onde“ von Ludovico Einaudi hingaben und um dann zu erleben, wie sie nicht mehr die Blumen am Ufer laben konnten und dann dürch Albolinas Einsehen wieder zu neuen Kräften kamen.

Martje knüpfte daran an, und entwickelte mit einigen Teilnehmerinnen drei Fabeln, die schon allein über die Eurythmie so erlebbar wurden!

Mit vielen kleinen seelenhygienischen Toneurythmie-Übungen, aber vor allem getragen von der Begeisterung Gias zum Menschen und zur Eurythmie,  blühte die Eurythmie ganz gegenwärtig in  uns auf. In jedem Einzelnen , und in der gesamten Gruppe. Aber auch in den Besuchern am Freitag Abend  an der Burg des Dorfes Incisa, wo wir unter dem Sternenhimmel  zusammen mit den wunderbaren Klängen einer Geige und  des Pianos, der  kraftvollen Sprache , durch die Fabeln und  das Märchen, und  durch berührende Eurythmie von Gia und Martje, die  Eurythmie den Menschen ans Herz legten und sie dort berührten.

Wir erlebten alle , wie sehr uns die Eurythmie in dieser gelebten Form bewegte. Wir wurden in dieser Woche zu Bewegenden  und Bewegten.

Danke von ganzem Herzen!!

Doris

 


2015

Soziale (S)kul(p)turwoche in Piemont

Unter dem Motto „Be Present“ hat die Eurythmistin Gia v.d. Akker Ende Juli zu einer kulturellen Festwoche in Incisa Scapaccino in Piemont eingeladen.
25 Menschen aus Italien, Columbien, Urugay, Argentinien, Schweiz, Holland und Deutschland treffen sich, um gemeinsam im eurythmischen Bewegen, Gia van den Akker, im Plastizieren von menschlichen Antlitzen, Astrid Oellssner, und in einem Meisterkurs für Bratsche, Sylvia Zucker, die Anwesenheit, die Presenz, des formenden Ichs in unserer Gestalt und im Zwischenmenschlichen zu üben.
Menschen mit Berufserfahrung und solche, für die das Wort Eurythmie völlig neu ist, kommen in einer buntgemischten Altersgruppe für eine Woche zusammen.
In der Mitte des kleinen Dörfchens Cortiglione in “La fabbricca“ (eine alte von Gia renovierte Fabrik) bringt uns Gia jeden Vormittag in Bewegung zum elementaren Erleben unserer Gestalt zwischen Erde und Himmel, zwischen vorderem und hinterem Raum und zum Wahrnehmen der zwischenmenschlichen Berührung, die uns anregt, eine menschliche Plastik zu gestalten und gestalten zu lassen.
Ohne die eurythmischen Elemente wörtlich beim Namen zu nennen werden wir durch unmittelbares Erleben geführt in Vokale und Konsonanten und deren Wirksamkeit in unserer Gestalt und Fühlen. Nach Gedichten in fremder Sprache und nach Musik lernen wir lauschen und uns spontan in Gestik und Bewegungsdynamik einzuleben, ständig unter dem Eindruck der notwendigen Geistesgegenwart. Eurythmie lebt und wird erlebt.
Nachmittags werden wir mit Diderik Wagenaar und Francien Hommes in die weite Spanne der tonalen und atonalen Musikentwicklung eingeführt.
Auf dem „Schloss“ des Weingutes Azienda Incisiana“ von Florian (Ehemann von Gia) üben die Musiker den ganzen Tag, sofern sie nicht an den anderen Gruppenaktivitäten teilnehmen und dabei erleben wie eigentlich alles Gestalten Musik ist. Vor allem im Plastizieren menschlicher Gesichter, was bei maskenartigen Grimassen beginnt und bis zu menschlichen charaktervollen Typen sich ausformt, erleben wir menschliche musikalische Proportionen, was auch die Musiker überrascht.

Alle Früchte der gemeinsamen Arbeit gipfeln im Höhepunkt am letzten Abend bei Vollmond und Scheinwerferlicht vor der großen Kirche in Incisa Scapaccino in einem eineinhalbstündigen Spektakel vor über hundert Menschen aus der Region. Ein Flügel wird bereitgestellt. Der Bürgermeister spricht die Begrüßungsworte. Nach eröffnendem Bratschen–Quartett folgt die Darstellung der eurythmischen Gruppenübungen, solistische Einlagen mit Eurythmie nach Grieg, spanischer Gitarrenmusik, Berio, Einaudi, Diderik Wagenaar, Ligeti und nach italienischer Rezitation von Giovanni Succi. Der Abend schließt mit südamerikanischen Freiheits– und Revolutionsliedern mit Gitarre und Rhythmus unterlegt. Ein aufmerksam still lauschendes Publikum dankt mit brausendem Applaus. So wird eurythmische Gestaltungskunst mehr als das Üben in einer Enklave, sie wird zum allgemeinmenschlichen Element, dass jeden erreicht und anspricht.

August 2015, Andreas Zucker


2014

Bericht „Euritmia una gioia“ von Peggy Weiss.

Die Sommer-Woche „Una Gioia Euritmia“ war eine absolut kurze, und doch lange Erlebnis- und Wandlungswoche. Kurz, weil es viel zu schnell vorbei ging, jedoch lang, weil wir so viel eurythmisch erarbeitet und durchlebt haben.
Wie Ton- als auch Lauteurythmie waren wunderbar aufgebaut und von Leichte getragen absolut lehrreich. Viele mir bekannte eurythmische Elemente konnte ich neu erleben und bewusst vertiefen. Die vielfältigen Übungen von Takt, Rhythmus und Melodie in der Toneurythmie empfand ich als sehr wichtig. So konnte man sich viel besser in das Musikstück einfühlen und die Qualitäten deutlicher empfinden. In diesem Zusammenhang auch ein Dank an Luca, unserem unermüdlichen Klavierbegleiter.
Durch unsere intensive Arbeit mit Cristina am italienischen Gedicht „Girovago“ sind mir einige lieb gewordene italienische Worte wie accasare, languente, straniero, nascendo und godere sogar noch bis heute in meinem Gedächtnis haften geblieben. Wie für dieses Gedicht aus Chaos eine recht gelungene eurythmische Form entstehen kann, hatten wir Cristina mit ihrer feinfühligen und humorvollen Art zu verdanken.
Cristinas und Gia Dein Geschick, Euere Freude an der Bewegungskunst und Euer Humor konnten auf die internationale Gruppe von Laien und Erfahrenen in octav-ähnlicher Weise überspringen. Einige von uns fühlten sich wie auf Flügeln durch die Woche getragen zu sein. Die Arbeit mit Euch hat wirklich eine große Freude bereitet und manch einer würde sich solch einen Unterricht in Eurythmie immer wünschen. Obwohl es eine intensive Arbeit war fühlte es sich nicht als Last an! Im Gegenteil: Es war im wahrsten Sinne des Wortes wirklich: Una Gioia!! Ja, gerne wären wir noch länger geblieben!

Vielen Dank Gia, vielen Dank Cristina für diese gelungene Woche, die gute Rundum-Versorgung, und, und, und….  so möchte ich, und wohl noch manch andere/r Kursteilnehmer/in, auf jeden Fall wieder kommen – Auf Wiedersehen in La Fabbrica!


 

2012

Fortbildungswoche in la fabbrica, Cortiglione

Einige Eindrücke aus der Arbeit mit Gia:

Ich hatte sehr gute Erfahrungen mit Gia, der Kurs war flexibel und gab Raum für meine Bedürfnisse. Ich habe gerade vier Jahre Eurythmie-ausbildung und ein Jahr Bühnenausbildung beendet. Nun gehe ich zurück in meine Heimat nach Japan und möchte dort mit der Eurythmie arbeiten. Ich denke darüber nach, welche Möglichkeiten ich haben werde, wie die Eurythmie als Kunst anerkannt werden kann und wie ich in der „normalen Welt“ außerhalb der anthroposophischen Szene arbeiten kann.

Ich glaube so sehr daran, dass die Eurythmie für alle Menschen da ist.
Also dieser Kurs war perfekt für meine Fragen, denn Gia hat viele Erfahrung und praktische Fähigkeiten. Sie vermittelte mir das Wissen und die Methoden, wie man sein Ideal in die Realität umsetzen kann.
Jetzt, wo sich die Fragen klären, wie man heran gehen kann, fühle ich viel Begeisterung und spüre den Willen wachsen, um es zu TUN.

Ich war sehr inspiriert von ihrer Professionalität bis in die Themen wie Kostümierung und Bühnenbild. Gia führte mich in Improvisationsübungen ein und in das Spielen, das ist eine wichtige Fähigkeit, wenn man auf die Bühne gehen will. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich.
In der Toneurythmie haben wir die Grundelemente erarbeitet und in dieser Arbeit erlebte ich, wie wertvoll es ist mit einer andern Dozentin zu arbeiten.
Der Aufbau in Gia’s Stunden ist glasklar und leicht verständlich. Sie konnte zum Beispiel zeigen, wie man durch Imagination und Bewusstsein etwas erreicht.

So habe ich gelernt, wie ich selbständig weiterwachsen kann mit meinen eigenen eurythmischen Fähigkeiten. Wir haben zeitgenössische Musik behandelt und sie im Lichte der Musikentwicklung angehört und in Eurythmie untersucht.
Ich habe den Zugang zu der Umsetzung in Eurythmie bekommen.
Ich spüre, dass ich durch diese Fortbildung gut vorbereitet bin auf einen neuen Schritt in meine Zukunft. Ich habe Vertrauen und Mut bekommen, weil ich konkreter wei. was und wie ich es machen kann.
So lernt man die Brücken bauen zwischen vergangenen Erfahrungen und Zukunftsvisionen. Es war eine relativ kurze Zeit (eine Woche) aber voller Inhalt.

Yuka Iwasaki, November 2012

Eiland der Entwicklung

Die Teilnehmer der diesjährigen Sommerwoche „Euritmia – una gioia“ in Cortiglione, Italien, vom 29. Juli bis 4. August 2012 zeigten ein kleines Abbild unser heutigen Gesellschaft: die Vielfalt der Nationalitäten (Italien, Niederlande, Deutschland, Griechenland, Belgien, Schweiz), die Spannbreite des Alters (von 14 bis 74 Jahren) und der Berufe (Hebamme, Glasmaler, Handwerker, pädagogische und soziale Berufe…) waren eine spannende Ausgangsbasis für eine Woche gemeinsamer Arbeit. Die eurythmische Erfahrung war ebenso weit gefächert, absolute Neueinsteiger, Amateure, Eurythmiestudentinnen und erfahrene Eurythmistinnen fanden sich in der Bewegung zusammen.

Zum sechsten Mal begleiteten Gia van den Akker und Christina Dal Zio in ihrer freilassenden, unterstützenden und angenehm leichten Art die Arbeit in Ton- und Lauteurythmie in dieser Sommerwoche. Nicht zu vergessen auch Claudia Lanni, die uns mit der Klavierbegleitung erfreute.

In der Musik verlief der Bogen von Scarlatti und Pardiso über Einaudi zu Fontanelli und so ergaben sich Möglichkeiten zu – sagen wir klassischen Eurythmieformen – sowie Improvisationsübungen und Erfahrungsmomente experimenteller Art.

Die Gedichte von Alda Merini und Guiseppe Ungaretti vermittelten uns die Klangfarbe des Italienischen und die Vergleiche mit den anderen Sprachen waren nicht nur amüsant, sondern verdeutlichten auch den Charakter der jeweiligen Sprache.

Viele Details könnten wir noch über die äußeren Bedingungen geben,- Sonne, Wärme, Italianità, piemontesisches Essen, Ausflüge nach Nizza Montferrato, Acqui Terme, die schönen Abschlusspräsentationen mit Fest, Tanz unterm Sternenhimmel bis weit in die Nacht hinein, die tolle Organisation, die gelungene Einbettung in das lokale Leben, all dies war wunderbar! Aber das Wesentliche war wirklich die menschliche Begegnung in der Eurythmie und das Erlebnis, dass in einer Woche gemeinsamen Tuns Außerlichkeiten an Bedeutung abnahmen, Gemeinsamkeit wuchs. Vermutlich hat jede TeilnehmerIn (zwei Männer waren dabei!) einen Impuls für sich mitnehmen können, die wiederum so vielfältig sein werden wie die Unterschiedlichkeiten des Beginns. Auf alle Fälle bietet La Fabbrica einen Ort an dem jeder Mensch ein Stück Bewegung und Begegnung aufnehmen kann – im Kleinen wie im Großen.

Ungaretti begann sein Gedicht FASE mit Camina, camina… Loop door, loop door… wandernd, wandernd – so hoffen wir, dass wir im nächsten Jahr wieder eine Möglichkeit haben werden an diesen außergewöhnlichen Ort zurück kommen zu können. Und vielleicht sind Sie dann ja dabei? Denn wie der Titel der Woche schon sagt: Eurythmie- eine Freude!

Heike Bienek, Ursula Reichert, Sabine Wiedemann – August 2012


Bericht von der Masterclasswoche mit Gia van den Akker und Hans Fors

14.-20. August 2011, la fabbrica, Italien

Alle Aktivitäten dieser Woche fanden in einer Atmosphäre von Kreativität, innerer und äusserer Freiheit statt. La fabbrica, umgetauft von einer kleinen Fabrik von Fiat-teilen zum Eurythmielaboratorium, ist ein Brutplatz/Nest(?) für kreative Kräfte.

Die Gruppe stellte sich vielseitig zusammen, das Alter war 22-60+ , Nationalitäten: Niederländisch, Deutsch, Russisch, Schwedisch, Bulgarisch, Französisch, Amerikanisch, Schweiz. Es war eine wunderbare inspirierende Umgebung für mich, in dieser Gruppe, ich entdeckte neue Farben, neue Gerüche, neue Bewegungen in mir. Euritmia una gioia : meine Erlebnisse diese Woche waren voller Neugierde, Enthousiasmus, Ermutigung, Kreativität und Freude!!

Morgens gab es Ton- und Lauteurythmiestunden unter Leitung von Gia van den Akker und Hans Fors, mittags gab es Solokorrekturen und eine Stunde Improvisation.

An zwei Abenden fanden Vorträge von Hans statt und am letzten Abend eine Präsentation mit Fest. Die Kaffepausen, Mittag-und Abendessen genossen wir zusammen in un modo molto italiano, in einem sozialen, lebendigen Strom.

In Toneurythmie arbeiteten wir an den Ur-skalen Dur und Moll mit den Schritten (nach Angaben von E.Zuccoli). Dann arbeiteten wir an die Differenzierung unseres Instrumentes in den 3 Gebieten der Eurythmiemeditation (Füsse Wort, Hände Singen, Hauptes Sinnen) und die Beziehung zwischen den 3 Gebieten und die Wahrnehmung der 12 Sinnen. Wir orientierten uns an die Sinnesspektren von Thomas Göbel, dargestellt in “ die Quelle der Kunst”. z.B schmeckten wir die Musik durch die Armen und Händen ob sie süss, sauer oder bitter war, oder spürten mit den Füssen die Lebenskraft.

Diese Wahrnehmungen vertiefen das Erlebnis der lebendigen Musik enorm.

Wir übten Ton-und Intervalgesten und kreierten kleine Gruppenchoreographien für die Variationen für die Gesundung Arinuschka von A. Pärt. Dieses Werk gab uns die Chance z.B. fallende Intervallen in Beziehung zu einer steigende Skala in der Melodie zu gestalten, also immer mit einer Gegenbewegung. Die Intervallen und Tönen lassen in dem reinen-lichtvollen Klangraum Spuren wie von einer kosmischen whirlpooling eurythmischen Bewegung, atmend zwischen musikalischen Innen-und Aussenraum.

In der Lauteurythmie mit Hans Fors war das Thema: Eurythmie als Raumesbewegungskunst.

Wir hatten ein Spektrum von Übungen zu diesem Thema, ausser Warming-up-Übungen im Kreis machten wir eine Übung in der eine Person sechs Personen im Umkreis führt mittels Bambustäben. Jeder der sechs Personen hatte einen Stab, der an einer Stelle des Körper von der Mittelperson verbunden war.Wir übten Gegenbewegungen in den Lautgesten. Jeder Tag erlebten wir neue Qualitäten des Raumes um uns herum und Differenzierungen zwischen den verschiedenen Bereichen unseres Körpers.

Wir entwickelten in kleinen Gruppen Lautfolgen zu einer gegebenen Form von Hans und gestalteten die Gesten in Gegenbewegung zu der Form, das förderte unsere Flexibilität. Diese und viele andere Aktivitäten der Woche gaben Raum für imaginatives Spielen mit dem Instrument und immer wieder und wieder das Bewegen des Raumes durch die Seele.

Im Masterclass am Nachmittag gab es Solo- oder Duo-arbeit mit Gia und Hans. Choreographien wurden entwickelt, verfeinert oder korrigiert, je nach Stadium des Erarbeiteten. Gia und Hans waren voller Respekt und Freude, durch sie vertieften wir unsere Erlebnisse und erweiterten wir unsere Ausdrücksmöglichkeiten

Danach hatten wir eine Stunde Improvisation, in der wir frei spielen konnten mit unsselbst und mit der Gruppe im Raum. Es gab Kriterien, die uns inspirierten und führten.

An zwei Abenden gab Hans eine Präsentation von seiner Forschung über die Anfänge der Eurythmie und die Entwickelung des Tanzes in derselben Zeit, die bald herausgegeben wird in einem Buch.

Lebend mit den Polaritäten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Eurythmie im Ideellen und in der Erscheiningsform, sind wir sehr dankbar, bewuster in der künstlerischen Arbeit für die Zukunft stehen zu können. Wie entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhundertssich die Bewegungskünste, die Spirituelles und Esoterisches in Erscheinung bringen wollten? Ein wichtiges und reizvolles Thema für den Eurythmist von heute

Der Niederländischen Maler Rembrandt van Rijn sagte: “Übe das was du weisst, das wird dir helfen klar zu bekommen was du jetzt noch nicht weisst”

Die kreative Seele entwickelt ein reifes, engagiertes Jetzt wenn sie sowohl im Geist der Vergangenheit, als der Zukunft leben kann, wie im Kontrast von Hell und Dunkel im Gemälde des holländischen Meisters. Dieses durch seinen eigenen Körper zu realisieren bedeutet Luxus und auch harte Praxis des Eurythmisten.

Am letzten Abend fand eine spannende, öffentliche Präsentation unserer künstlerischen Arbeit statt, in der wir das Unsichtbare ein wenig klarer in die Sichtbarkeit bringen konnten, was in la fabbrica immer in freier Art in Entwickelung ist.

Cameron McArthur


Eurythmie-Woche im Piemont

Schon zum 5. Mal fand vom 31.7.-6.8.2011 im Eurythmiestudio „La Fabbrica“, Ltg. Gia Van den Akker die Eurythmie-Sommerwoche „Euritmia una gioia“ statt.

12 Teilnehmer aus 4 Ländern hatten sich eingefunden um unter den Dozentinnen Gia Van den Akker (Incisa Scapaccino) und Christina dal Zio (Venedig) Eurythmie zu machen.

Es gab jeden Tag 2 mal Toneurythmie bei Gia Van den Akker,( Klavierbegleitung Claudia Lanni) und 2mal Lauteurythmie unter Christina dal Zio. Das Grundthema war „Italien“.

So arbeiteten wir an Klavierstücken italienischer Komponisten: Scarlatti, de Rossi, Einaudi und an 2 Italienischen Gedichten.

Außerdem war viel Raum für Improvisation, für Körper-und Wahrnehmungsübungen, für Grundübungen aus der Eurythmie, für eigene Ideen, zum Ausprobieren, für Gespräch und Austausch, und und und…

Wir hatten viel Spaß, wuchsen immer mehr zu einer Gruppe zusammen und waren voller Energie !

Und am Ende der Woche waren doch tatsächlich kleine Choreographien entstanden , die wir an unserem Abschlußabend zeigen durften. Frau Van den Akker hatte ein wunderschönes Fest organisiert, „La Festa“ zu dem auch das Dorf eingeladen war. Ein Höhepunkt des Abends war für uns,

daß auch Gia Van den Akker und Christina dal Zio Ausschnitte aus Ihrer eigenen künstlerischen Arbeit zeigten. Anschließend spielten 3 Musiker aus Alba auf original piemontesischen Instrumenten zum Tanz auf. Wir ließen uns nicht lange bitten!

Vielen Dank für die herrliche Woche. Es war wirklich zu spüren: „Euritmia una Gioia!

Lilli Hahn, Pforzheim


Rückblick auf die Masterkurs bei Gia van den Akker (22.9 – 6.10.08)

La Fabbrica, Gias Eurythmiestudio, steht in einem idyllischen Dörfchen in Nord-Italien. Es befindet sich in einer alten Fabrik im typisch italienischen Baustil der sechziger Jahre, mit einem kleinen Innenhof, einem großen Saal, einem kleinen Büro und einer Küche. Ein idealer Ort, wo Gia einen Raum für künstlerische Arbeit und gegenseitigen Austausch geschaffen hat.

Ich flog nach Italien um zusammen mit Gia ein Soloprogramm, bestehend aus einem modernen niederländischen Gedicht und Musik von S. Gubaidulina für Oberstufenschüler, einzustudieren. Auch wollte ich als frisch gebackene Studienabgängerin meine künstlerischen Fähigkeiten ausbauen. Gia hat sich nämlich im Laufe der Jahre vor allem auf moderne Musik und Poesie spezialisiert und ich wollte von ihrer Expertise auf diesem Gebiet lernen.

Jeder Tag wurde mit vielen Aufwärmübungen und unterschiedlichen Techniken zum Verfeinern des „Instruments“ eingeleitet. Dabei konzentrierten wir uns besonders auf die Wahrnehmung der eigenen Bewegungen und auch der Bewegungsmöglichkeiten um ein konkretes Bewusstsein in diesem Bereich auszubilden. Mit Hilfe von Improvisationsübungen wurde der Einsatz unterschiedlicher Bewegungsansätze erarbeitet. Hierbei ging es vor allem um das Bewusstwerden und Durchbrechen festgefahrener Bewegungsabläufe, um mehr Selbständigkeit im Bereich der „Schaffenden Bewegung“ zu fördern.

Danach wurde anhand der Eurythmiefiguren und der „Evolutionsreihe“ an der Bewusstseins-Erweiterung in Füssen, Armen und Gestalt gearbeitet. Im Mittelpunkt stand hierbei die Beziehung von „Bewegung-Gefühl-Charakter“, im besonderen das Zusammenspiel dieser Elemente, ihre Wahrnehmung im eigenen Körper sowie deren Ausgestaltung. Verschiedene Übungen aus dem Wort- und Tonkurs Rudolf Steiners wurden auch behandelt. Hierbei ging es vor allem um den Gebrauch innerer Beweglichkeit und Lebendigkeit.

Nach einer entspannten Mittagspause war mein Programm für die Oberstufe an der Reihe. Dabei wurden verschiedene Aspekte problematisiert. Nach einer Analyse des Gedichts wurden Form- und Bewegungskonzepte nach verschiedenen Gesichtspunkten wie etwa dem dionysisch-apollinischen, untersucht. Auch wurde Bewegung jenseits der Sprache, Ausgestaltung verschiedener Deutungsmöglichkeiten, Gebärden und der Gebrauch unterschiedlicher Bewegungsansätze im Kontext behandelt.

Bei der Ausarbeitung des Gesamtablaufs gingen wir von Fragen aus, wie etwa: „Wie kann man ein Publikum für ein Gedicht empfänglich machen?“ „Wie gestaltet man den Übergang von Wort- zu Toneurythmie?“ „Wie beendet man eine Bühnenvorstellung?“ Hierbei durften die Anforderungen eines speziell für Oberstufenschüler eingerichteten Programms nicht außer Acht gelassen werden.

Neben der Programmaufstellung im Probesaal wurden auch allgemeine Aspekte zu künstlerischen Initiativen beleuchtet. So zum Beispiel das Finden und Benutzen von Inspirationsquellen, das Durchhaltevermögen im künstlerischen Aufbauprozess oder das Übertragen von Inspiration auf das Publikum. Auch die organisatorischen Forderungen des Programms kamen nicht zu kurz. Alle Punkte von Projektfinanzierung bis zum Erstellen eines Portofolios wurden abgedeckt.

Das Schönste an diesen Arbeitswochen mit Gia jedoch war zu erfahren, wie ich selbständig und inspiriert an Eurythmie arbeiten kann und wie ich diese Inspiration warm halten und weiter tragen kann.

Martje Brandsma


“Euritmia una gioia” in la Fabbrica, Cortiglione, Italien (2008)

1-05“Wirkliche kunst spielt sich immer mehr auf dem Lande ab”. An diesem Ausspruch eines bedeutenden Dirigenten musste ich denken, als ich Gia van den Akkers Eurythmiesaal in dem Dörfchen Cortiglione im Piemonte in Italien sah. Mit 10 weiteren Teilnehmern nahm ich dort an der diesjährigen Sommerwoche teil. Die Stimmung war sehr gut. Neben Gia unterrichtete auch Cristina dal Zio, und die Pianistin Claudia Lanni begleitete die Toneurythmie. Morgens wurde mit genügend Pause 3, am Nachmittag 2 Stunden gearbeitet. Wir übten italienische Gedichte und Musikstücke. Beide Dozentinnen zeigten dabei immer viel Offenheit für die Gestaltungswünsche der einzelnen Teilnehmer. Alle Achtung gegenüber der Geduld und sozialen Kunst, die dies abverlangte, und so gut wie immer zu einem zufriedenstellenden Resultat für alle führte. Mittags kochte Catarina, eine Frau aus dem Dorf für uns traditionell piemontesisches Essen. Zur Pension konnte, wer wollte danach, einen landschaftlich sehr schönen Spaziergang machen, für die anderen stand immer eine Fahrgelegenheit bereit. Am letzten Abend waren Interessenten und Dorfbewohner zu unseren Abschluss eingeladen. Hier zeigten wir etwas vom Erübten. Gia und Cristina führten als Profis was auf. Erstaunlich und erfreulich wie diese kleine Wirkstätte in das ländliche Leben integriert ist! Vielen Dank nochmal an Gia und Cristina für die schöne Tage!

Sonja Polenz